MLAR / LAR: Funktionserhalt bei Brandmeldeanlagen

Heute wollen wir auf ein besonderes aktuelles  Thema schauen, was immer wieder bei Planern, Errichtern oder aber auch Herstellern von Brandmeldeanlagen zu Unklarheiten führt. Auch 2012 noch. Der Funktionserhalt bei Brandmeldeanlagen wird oft diskutiert. Was steckt hinter der MLAR oder LAR?Werbung

In unserem Artikel Funktionserhalt von Leitungsanlagen sind wir bereits auf das Thema eingegangen, haben aber die Inhalte der Muster Leitungsanlagen Richtlinie (Muster Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Leitungsanlagen) und LAR Leitungsanlagen Richtlinie auf Länderebene nicht näher erläutert. Dies wollen wir jetzt nachholen um weitere Klarheit in Sachen Verkabelung von Brandmeldern, Loops oder Alarmierungen zu schaffen. Auf die länderspezifischen Regelungen gehen wir dabei nicht ein und interpretieren nur die Muster Leitungsanlagen Richtlinie, im weiteren Verlauf MLAR genannt.

Was steht in der MLAR / LAR?

Den ganzen Inhalt wollen wir nicht widergeben, sondern nur einen Blick auf die Anforderungen von Leitungen bei Brandmeldeanlagen geben. Werfen wir einen Blick auf den Inhalt der letzten Fassung vom 17.11.2005 die man sich übrigens kostenlos im Internet herunterladen kann. Interessant ist hier der Punkt 5 bis 5.3.

Im Grunde kann man dort unter 5.1.1 folgendes Interpretieren. Alle Anlagen, welche bauordnungrechtlich vorgeschrieben sind müssen so beschaffen sein, dass sie im Brandfall ausreichend lange funktionsfähig bleiben. Daher kommt auch das Wort Funktionserhalt. Dabei handelt sich bei Anlagen um sicherheitstechnisch Relevante Dinge. Dies sind neben den Brandmeldeanlagen auch die Sicherheitsbeleuchtung oder aber auch eine SAA Sprachalarmierung.

Zusätzlich ist unter Punkt 5.1.2 geregelt, dass an den Verteilern solcher Anlagen auch andere betriebsnotwenige sicherheitstechnische Anlagen angeschossen werden dürfen, sofern diese die Funktion nicht beeinträchtigen. Werfen wir jetzt aber einen Blick auf den eigentlichen Funktionserhalt.

Unter 5.2.1 ist zu lesen, dass die Leitungen erfüllen müssen um das Prädikat Funktionserhalt zu bekommen. Hier muss zu ersten einer Prüfanforderung nach DIN 4102-12:1998-11 entsprochen werden. Diese gilt für die Klassen E30,E60 und E90.

Es kann aber auch eine Leitungsverlegung im Erdreich oder aber auch unter dem Fußbodenestrich auf der Rohdecke erfolgen. Damit können auch andere Leitungen benutzt werden. Im Industriebau aber relativ selten anzutreffen.

Für die Verteiler gibt es aber besondere Bestimmungen, welche unter 5.2.2 geregelt sind. Dort steht zum einen, dass solche Verteiler in dafür geeigneten Räumen untergebracht werden müssen. Diese Räume dürfen nicht für andere Zwecke genutzt werden und es müssen Wände und Türen sowie Durchführungen und Decken in derselben Widerstandsklasse wie die Leitungen für Funktionserhalt ausgelegt werden. Dies heißt zum Beispiel eine Ausführung in F30, F60 oder F90. Die Feuerwiderstandsfähigkeit muss gegeben sein.

Zusätzlich gibt es aber auch die Möglichkeit diese Verteiler durch entsprechende Gehäuse abzuschotten. Ein Stichwort wäre hier das Brandschutzgehäuse nach F30, F60 oder F90 oder aber auch ein Promat Kanal. Das alles richtet sich nach der Dauer des Funktionserhalts zu dieser wir jetzt kommen.

Dauer des Funktionserhalts

Unter 5.3.1 kann man lesen dass die Dauer der Leitungsanlagen mit dem Funktionserhalt mindestens 90 Minuten betragen muss. Dies gilt aber nicht grundsätzlich und im Falle einer Brandmeldeanlage auch nicht. Hier sind unter anderem Wasserdruckerhöhungsanlagen für Löschwasser, maschinelle  Rauchabzugsanlagen bei Sonderbauten wie Hochhäuser oder Bettenaufzüge in Krankenhäuser. Aber auch hier gibt es im Zeitfenster Ausnahmen.

Kommen wir jetzt aber zu den Brandmeldeanlagen. Dort gibt es einen Funktionserhalt von 30 Minuten. Dieser gilt aber nicht generell, denn sonst müsste man ja jede Leitung in F30 ausführen. Dem ist aber nicht so, denn in der MLAR gibt es auch eine Ausnahme.

Die Ausnahmen der F30 Klasse

Hier kann man lesen, dass Leitungen die durch Räume mit einer automatischen Überwachung mit Brandmeldern nicht diese Anforderung unterliegen. Jetzt kommt aber der springenden Punkt, denn weiter heißt es, dass diese Brandmelder bzw. Rauchmelder auch bei Kurzschluss oder Leitungsunterbrechung weiterhin in Funktion bleiben müssen. Die heutigen modernen Loop oder Ringbus System können diese Anforderung erfüllen. Hier funktionieren die Teilnehmer weiterhin, denn aus dem Loop werden bei Unterbrechung zwei Stiche.

Es geht aber noch weiter, denn auch Alarmierungseinrichtungen müssen diese 30 Minuten Funktionserhalt mitbringen. Auch hier gilt aber eine Ausnahme, wenn der zu alarmierenden Bereich nicht über 1600 Quadratmeter sprich ein Brandabschnitt hinausgeht oder aber in Treppenhäuser. Geht diese Leitung durch zwei Brandabschnitte, so muss auch dort Funktionserhalt vorgesehen werden. Dies beschränkt sich auf die Stromversorgung dieser Anlagen.

Unterbrechungszeit laut Leitungsanlagenrichtlinie

Letztendlich geht es um eine lückenlose Funktion der sicherheitsrelevanten Anlagen, wozu auch die BMA gehört. Aber auch SAA oder RWA gehört in diesen Bereich. Jetzt aber noch ein Wort, was überhaupt unter Lückenlos verstanden wird. Auch hier gibt es eine Definition, denn bis zu 5 Sekunden sind hier noch lückenlos. Dies steht aber nicht in der Fassung der MLAR, sondern wurde vom VdS und dem Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie e.V. ZVEI festgelegt. Hier haben sich Experten beraten. Diese Empfehlung findet in der Praxis auch Anwendung. Vor allem die Sachverständiger halten sich an den Rat des Expertenkreises.

Auch hier gibt es aber einen großen Widerspruch im Sinne der DIN EN 54-13: Bewertung der Kompatibilität von Systembestandteilen und der damit zusammenhängenden Gerätenorm der Anlagen. Dort ist geregelt, dass es im Fehlerfall einen Ausfall von bis zu 300 Sekunden geben darf. Also gibt es hier einen großen Widerspruch.

Wie sieht es jetzt in der Praxis aus?

Werfen wir nun einen Blick auf die Praxis. Immer mehr Anlagen sind mit Alarmierungsmitteln sprich Hupen oder Sirenen auf dem Loop ausgerüstet. Diese Teilnehmer bekommen sowohl ihre Ansteuerung wie auch ihre Stromversorgung direkt über den Bus mitgeteilt. Fällt nun der Bus bzw. Loop aus, muss gewährleistet werden, dass eine Aufstartzeit von maximal 5 Sekunden gewährleistet wird. Ansonsten muss man in Funktionserhalt verkabeln. Zusätzlich natürlich in den Bereichen, wo es keine Überwachung gibt auch. Kann man aber diese Aufstartzeit wirklich gewährleisten?

Hier tun sich einige Hersteller schwer und schlagen deshalb andere Installationen vor. Es gibt aber auch Hersteller die es schaffen anhand eines Turbo Isolators einen Kurzschluss unter den geforderten 5 Sekunden zu isolieren und somit ununterbrechungsfrei zu alarmieren. Beispielhaft ist es hier Siemens gelungen ihr Sinteso System bei der VdS Schadenverhütung GmbH zu prüfen lassen und dies wurde auch durch ein Prüfungszeugnis bestätigt.

Andere Hersteller umgehen diese Probleme mit externen Stromversorgungen in den einzelnen Brandabschnitten, was in gewissen Anwendungen auch Sinn machen kann. Hier zählt vor allem auch die Anzahl der Signalgeber. Signalgeber auf dem Loopkosten meist etwas mehr. Hier muss Wirtschaftlichkeit und Praktikabilität ab gewägt werden.

Leitung zur Ansteuerung einer anderen sicherheitstechnischen Anlage welche baurechtlich gefordert wurde sollten in Funktionserhalt der jeweiligen Klassen ausgeführt werden. Darunter ist auch die Ansteuerung von SAA zu sehen. Hier gelten aber auch die Ausnahmen zu beachten.

Wir hoffen einige Beispiele gegeben zu haben um etwas mehr Klarheit in das Thema LAR, MLAR und Funktionserhalt zu bringen. Fragen sie bei den Fachleuten lieber nochmal nach, bevor letztendlich das Leitungssystem falsch ausgeführt ist.

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